Von Free Hugs und der Apokalypse 

"Was soll das denn?"- Das wird sich so mancher Münchner beim Anblick von jungen Menschen mit "Free Hug!!!"-Schildern zwischen dem 12. und dem 16. Mai gefragt haben. Ja, sie hatten richtig gelesen, da verteilten Jugendliche kostenlose Umarmungen. Aber warum?

In dieser Zeit fand in München der 2. Ökumenische Kirchentag statt. Über 125.000 Christen trafen sich, um gemeinsam zu feiern und ihren Glauben zu teilen, darunter auch wir. So machten wir uns am Donnerstagmorgen, gut gelaunt trotz des regnerischen Wetters, auf den Weg nach München und besuchten nach unserer Ankunft auch sofort die zentrale Feier zu Christi Himmelfahrt auf dem Odeonsplatz. Da wir leicht verspätet dort eintrafen, war der Platz bereits richtig voll, dank freundlicher Helfer fanden wir jedoch rasch eine freie Stelle im Gedränge. Die Feier, so unsere Meinung, war überaus gelungen und ein tolles Erlebnis. Danach sahen wir uns den restlichen Tag im "Jugend-Zentrum" um. Hier, im Olympiapark, waren eine große Bühne, viele Stände und einige Zelte aufgebaut worden, die zum Stöbern, Erkunden und Innehalten einluden.

An mehreren Orten präsentierten sich Chöre und Bands mit christlichem Hintergrund. Diese waren jedoch nicht die einzigen Musiker, auch auf den großen Bühnen war einiges geboten. So besuchten wir unter anderem das "Wise-Guys"-Konzert auf der Theresienwiese am Donnerstagabend und ein Konzert der aus Barbados stammenden Sängerin Judy Bailey. Dort ließ sich einmal mehr erleben, dass Christen nicht nur beten können, sondern auch wissen, wie man feiert.

Zu einem Kirchentag gehören immer auch Gegner und so hatten wir bereits am Ende des ersten Tages einen Stapel von Broschüren, in denen mal die tatsächlichen oder auch angeblichen Fehler der Kirche aufgezählt , mal vom nahenden Weltuntergang in Comicform berichtet oder zum Kirchenaustritt aufgerufen wurde. Gerade der Weltuntergang fesselte uns und so entwickelte sich eine rege Diskussion über den Sinn und den Wahrheitsgehalt solcher Vorhersagen und die Verbindungen zur Bibel. Praktischerweise fand sich ohne langes Suchen eine Veranstaltung zu diesem Thema, die wir am nächsten Tag mit großem Interesse besuchten.

Davor informierten wir uns jedoch im Messezentrum Riem, wo sämtliche Hallen durch den Kirchentag gefüllt waren, und erfuhren Spannendes über die Jugendarbeit in einer anderen Pfarrei. Wir trafen auf eine Gruppe Mädchen, die uns, unter großem Gekicher, zu einer Gesangsperformance "nötigen" wollte, was wir jedoch dankend ablehnten. Sie nahmen uns dies nicht übel und so tanzten wir gemeinsam eine Art "Ausdruckstanz" über die Herstellung von Bananen-Shakes, der sehr zur Erheiterung der umherstehenden Besucher beitrug.

Am Sonntag fand der Abschlußgottesdienst mit 100.000 Menschen statt, eine wirklich einmalige Erfahrung. Dort vertreten war auch die mittlerweile sehr groß gewordene Gruppe der "Free Hug"-Verteiler, die sich im Laufe der vier Tage in München der Kampagne des Australiers Juan Mann angeschlossen hatte, der mit dieser Aktion mehr Freude und Liebe in die Welt bringen wollte. Zumindest für den Kirchentag lässt sich sagen, dass ihm dies gelungen ist.

2012 findet der nächste Katholikentag in Mannheim statt und so haben wir, ganz nach dem Kirchentagsmotto, Hoffnung, auch dorthin reisen zu können.

Michael Haas