Rundgang durch St. Magnus
Die Stadt Marktoberdorf erfuhr in den 1950er- und 60er Jahren eine bemerkenswerte wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung. Mit der Verleihung des Stadtrechtes 1953und der Ansiedlung von Industriegebieten stieg die Zahl der Einwohner und mit ihnen und mit ihnen die Zahl der Gläubigen. 1963 erreichte der Anteil der Katholiken die 9000er-Gräntze, damit schien die räumliche Kapazität jahrhundertealten Pfrk. St. Martin ausgeschöpft. Vor allem für die im nördlichen Teil der Stadt lebenden katholischen Christen wurde dadurch der Neubau einer eigenen Kirche immer wichtiger, ebenso die Ausweisung eines eigenen Pfarrsprengels.
Anders als vielleicht in vergleichbaren Gemeinden ließ das von der Diözese Augsburg angestrengte Bauvorhaben die Menschen vor Ort nicht unberührt. Stadtpfarrer Kaspar Bergler von St. Martin und die Gemeindemitglieder beteiligten sich in Gesprächen und auf Exkursionen aktiv an den Vorplanungen. So bereiste man im Jahr 1963 die Dekanate Neu-Ulm und Illertissen, besuchte die Kirchen der Stadt Memmingen, um nach Anregungen und grundsätzlichen Vorgehenshinweißen für Gestaltung und Ausführung zu suchen.| Im April des Jahres 1964 erhielt, aufgrund des Engagements des Bauamts der Diözese, ausgerechnet Thomas Wechs den Zuschlag für Neubau in Marktoberdorf. Um die „alte großartige Barockkirche nicht zu beeinträchtigen“ so Wechs, entwarf er eine äußerst zurückhaltende Architektur, die im Außenbau verputzt, im Inneren aber in holländischem Verbundklinker errichtet werden sollte. Kurz nach der Abgabe des Plans im November 1964 kam es zum Eklat: Die Kirchenverwaltung protokollierte starke Ablehnung der Gemeinde und des Pfarrers. Im Mai 1965 zog sich Wechs vom Auftrag zurück und erhielt als Gegenleistung vom Leiter des Bischöflichen Bauamts, Diözesanbaurat Valentin Müller, eine Zusage für ein andres zu planendes Projekt in allernächster Zeit. Erst damit begann die eigentliche Geschichte des Später ausgeführten Baus in Marktoberdorf.
Nur wenige Wochen später kam es zur Ausschreibung eines beschränkten Wettbewerbs, so wie es in jenen Jahren üblich Praxis bei Neubaumaßnahmen im Bistum war. Bereits am 10.August 1965 legten die eingeladenen Architekten ihre Entwürfe vor: der Kaufbeurer Matthias Abele, Margot und Max Lorenz aus Obergünzburg, der Augsburger Adolf Kreutzer und die in Marktoberdorf ansässigen Baumeister tätige Werner Soppa. Neben der Bauherrnschaft und Vertretern der Diözese wurden als Gutachter die Augsburger Architekten Karl Sendlinger und Werner Schneider eingeladen, die sich bereits einen Ruf als Kundige Baufachleute erworben hatten. Beide waren auch durch mehrere Neubauten als Kirchenbaumeister im Bistum Augsburg etabliert. Durch ihre Mitwirkung wollte das Diözesanbauamt als aufsichtführende Behörde sicherstellen, dass unabhängige Experten die besonderen Anforderungen des modernen sakralbaus beurteilten.
Nach dem in einem ersten Durchgang alle Mitbewerber bis auf Abele, Lorenz und Kreutzer ausgeschieden waren, wählte das Preisgericht schließlich den Entfwurf von Adolf Kreutzer, weil er sich in den städtebaulichen, architektonischen und liturischen Anforderungen überlegen zeigte. So versprach man sich insbesondere von der äußeren Gestalt "eine gute Wirkung" (Protokoll vom 29.9.1965). Die Grundsteinlegung erfolgt am 3. April 1967. Zum 1. Oktoer 1968 wurde Leopold Mladek zum Stadtpfarrer der neuen Pfarrgemeinde ernannt. Am 15. Dezember 1968 wurde die Kirche vom Diözesanbischof konsekriert und erhielt als Patron den Hl. Magnus, den Glaubensboten des Allgäus.
Quelle: Kirchenführer St. Magnus Marktoberdorf

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