40 Jahre Minis St. Magnus 

Was haben Thomas Gottschalk, Norbert Blüm und Xavier Naidoo gemeinsam? Richtig, sie waren alle Ministranten. Doch woher kommt eigentlich die Aufgabe des Ministranten?

Schon in den ersten Jahrhunderten nach Christus wurden laut schriftlicher Überlieferungen die Aufgaben im Gottesdienst von verschiedenen Diensten übernommen. Neben dem Bischof, den Priestern und Diakonen werden dabei Lektoren und Akolythen (Altardiener) genannt, deren Aufgabe das Lesen der biblischen Texte und das Bringen der Gaben zum Altar waren. Anfangs übernahmen ausschließlich Kleriker die beiden Ämter des Lektors und des Akolythen, allerdings wurden über die Jahrhunderte immer mehr männliche Kinder stellvertretend für fehlende Geistliche eingesetzt. Diese Jungen wurden in Chorschulen aufgenommen, wo sie auf den Dienst in der Messe vorbereitet wurden. Sie galten als potenzieller Priesternachwuchs. Eine große Bedeutung in der Geschichte der Ministranten war die Einführung von Privatmessen um das 6. Jahrhundert. Neben dem Priester musste eine weitere Person anwesend sein, die dem Geistlichen auf seine Gebete antworten sollte. Auch hier wurden mit der Zeit immer mehr Kleriker durch Messknaben ersetzt. Und aus einer „Notlösung“ wurde bald schon Normalität. Erst im 20. Jahrhundert gab Papst Pius XII. in einer Enzyklika den Ministrantendienst offiziell für alle Knaben jeden Standes frei. Im Zweiten Vatikanischen Konzil kam es noch einmal zu einem Wandel im Verständnis des Ministrantendienstes. Es geht nicht mehr nur um eine Funktion, die der Ministrant erfüllt, um die Gültigkeit der Messe zu sichern, sondern um volle, bewusste und tätige Teilnahme an der Feier der heiligen Messe.

Mag sich in der langen Geschichte der Ministranten auch einiges geändert haben, das Zentrum dieser Aufgabe ist gestern wie heute gleich geblieben; die Bereitschaft „vor Gott zu stehen und ihm zu dienen“, wie es im zweiten Hochgebet der Messe heißt.

In der Pfarrei St. Magnus waren zeitweise bis zu 45 Minis aktiv - das waren oft bis zu 8 Ministranten und Ministrantinnen an den Werktagsmessen. Sie alle haben in dieser Zeit durch ihren wertvollen Dienst das liturgische Leben der Pfarrei St. Magnus bereichert. Auch mit den weniger starken Jahrgängen ließen sich über die Jahre die von den Ministranten übernommenen Aufgaben erfüllen. Dazu zählen auch die Sternsinger- und Minibrotaktion sowie die Spielestraße am Pfarrfest.

Ein großer Vorteil war dabei sicherlich, dass in unserer Pfarrei schon früh Mädchen in den Ministrantendienst aufgenommen worden sind. Herr Pfarrer Mladek nahm 1974 mit Theresa Schmidt, der Tochter des Albürgermeisters, die erste Ministrantin auf. In den folgenden Jahren wuchs die Zahl der weiblichen Messdiener enorm und überstieg gerade in den letzten Jahren die Anzahl der männlichen Ministranten. Die offizielle Erlaubnis zur Aufnahme von Mädchen erfolgte für die katholische Kirche erst 1992 durch Papst Johannes Paul II.

Neben dem liturgischen Dienst kamen über die Jahre auch die außerkirchlichen Aktivitäten nicht zu kurz. Neben regelmäßigen Gruppenstunden wurden Zeltlager und andere Ausflüge durchgeführt, die für den Zusammenhalt und die gute Stimmung innerhalb der Gruppe von großer Bedeutung waren. Die Kinder und Jugendlichen lernten dabei, wie wichtig gegenseitige Rücksichtnahme und das Übernehmen von Verantwortung im Zusammenleben mit anderen sind.

Seit 40 Jahren übernehmen die Ministranten St. Magnus Verantwortung in der Liturgie. Sie helfen dem Priester, sie unterstreichen durch ihr Handeln bestimmte Vorgänge im Gottesdienstablauf und weisen auf Wesentliches hin. Viele Kinder und Jugendliche haben sich in dieser Zeit sowohl liturgische als auch soziale Kompetenzen angeeignet. Darüber hinaus zeigen sie auch den Mut, sich durch den Dienst am Altar öffentlich zu ihrem Glauben zu bekennen. Sie haben so schon früh die Chance, sich mit ihrem Glauben auseinander zu setzen und ihre Überzeugungen zu festigen. So ist das Amt des Ministranten ein wichtiger Dienst für den Pfarrer, die Gemeinde und für jeden Ministranten selbst. Ich hoffe, dass sich auch in Zukunft junge Menschen der Pfarrei dazu entschließen dieses Amt zu übernehmen.

An dieser Stelle möchte ich mich im Namen der Pfarrgemeinde bei allen Ministranten bedanken, die seit bestehen der Pfarrei St. Magnus ihren Dienst vor Gott getan haben.

Christiane Juraske
ehem. Oberministrantin